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Moderne Betriebskonzepte in der praktischen Umsetzung


Um die stationäre Gesundheitsversorgung zukunftsfähig zu gestalten, entschied man sich im Landkreis Lörrach nach sorgfältiger Abwägung unterschiedlicher Zukunftsszenarien für den Neubau eines Zentralklinikums. Diese strategische Entscheidung beinhaltete zu Beginn die Schließung der bisherigen Klinikstandorte Lörrach, Rheinfelden und Schopfheim und die zentrale Zusammenführung der jeweiligen somatischen Leistungsangebote: Nähere Informationen finden sie unter > Artikel „Lörracher Weg 2.0“

 

Im weiteren Verlauf wurde zusätzlich die Einbindung des bisherigen St. Elisabethen-Krankenhauses in Lörrach mit Leistungsschwerpunkten im Bereich der Gynäkologie/Geburtshilfe und Kinderheilkunde beschlossen, sowie die Übergabe der teil-/vollstationären psychiatrischen Betten an das Zentrum für Psychiatrie (ZfP) Emmendingen und deren Anbindung an das Zentralklinikum. Durch die Bündelung sämtlicher Leistungsbereiche an einem Standort mit 677 Betten plus acht tagesklinische Plätze im somatischen und psychosomatischen Bereich erreicht das Zentralklinikum den Status eines Maximalversorgers. Das Zentralklinikum wird auf einem gemeinsamen Campus mit anderen Gesundheitseinrichtungen (z. B. Ärztehaus, Rettungswache) realisiert und wird ein vollumfängliches Leistungsangebot zur Versorgung der Bevölkerung abdecken. Das geeignete Grundstück ist gefunden, Generalplaner und Architekt stehen fest, die Vorplanung ist so gut wie abgeschlossen und die Inbetriebnahme des Zentralklinikums für 2025 vorgesehen. Eine 3D-Animation des Entwurfes finden Sie hier > 3D-Animation

 

ANDREE CONSULT begleitet seit 2012 die umfassenden Entscheidungs- und Planungsprozesse, die sequenziell aufeinander aufbauen. Die Basis bildete die strategische Zielplanung, die im Rahmen eines Medizinkonzepts definiert, welche Leistungsbereiche in welcher Größenordnung zu berücksichtigen sind. Der nächste Schritt war die Ermittlung der hierfür erforderlichen räumlichen Kapazitäten als Basis für die Erstellung eines Raum- und Funktionsprogramms. Wichtige Aspekte für die räumliche Dimensionierung waren:

  • Zu erwartende Synergieeffekte sowie Leistungsausweitung/-reduzierung der einzelnen Arbeitsbereiche

  • Flexibilität und Modularität der Raumstrukturen: Aufgrund der Langfristigkeit der baulichen Planung und der langen Nutzungsdauer der Gebäude ist es unerlässlich, dass man perspektivisch erforderlichen Anpassungen von Räumen an neue Nutzungsarten durch heute nicht absehbare Trends wie z.B. neue gesetzliche Anforderungen entgegen kommen kann.

  • Höchstmögliche Auslastung der Raumressourcen zur Reduktion der Investitions- und Betriebskosten durch

      » interdisziplinäre Raumnutzung

      » disziplinierte Einhaltung von Nutzungskontingenten

 

Des Weiteren wurden die funktionellen Zusammenhänge der einzelnen Funktionsbereiche analysiert und bewertet. In einer Matrix werden die Ergebnisse derart zusammengeführt, dass die Prioritätsstufe für die räumliche Nähe der jeweiligen Funktionen definiert wird und hierdurch eine Richtschnur für den Architekten vorliegt. Funktionen mit großen Schnittstellen in der Interaktion werden hierbei mit höherer Priorität hinterlegt (z.B. Notfallaufnahme und Radiologie):

 

Eng hiermit verzahnt war die Erarbeitung einer betriebsorganisatorischen Planung sämtlicher klinikbezogener Prozesse, die die Berater von ANDREE CONSULT in enger Abstimmung mit den Projektverantwortlichen der Kliniken erstellten. Hierdurch konnten die Besonderheiten der medizinischen, pflegerischen und supportiven Prozesse in die Planungen integriert und aufeinander abgestimmt werden, was die Planung für die weiteren Umsetzungsschritte belastbarer machte. Die Betriebsorganisationplanung wurde unter folgenden Prämissen aufgesetzt:

  • Vorgehen nach einem Drei-Stufen-Konzept und Ausrichtung an den medizinischen Kernprozessen (Hierarchisierung der Prozessgestaltung):
    » Primär Definition einer effizienten und effektiven Aufbau- und Ablauforganisation für die  kosten- und erlösrelevanten Bereiche (z.B. OP-Bereich, Intensivmedizin und Notfallversorgung)
    » Darauf aufbauend Ausgestaltung der sonstigen medizinischen und schließlich der nicht-medizinischen Bereiche (z.B. Verwaltung, Tertiärprozesse)

  • Gewinnung größtmöglicher Effektivität und Effizienz der Prozesslandschaft, Nutzung von Synergieeffekten

  • Berücksichtigung betriebswirtschaftlicher Auswirkungen auf z.B. Kosten für Energie, Personal, Reinigung etc. 

 

Eine besondere Herausforderung stellte die Erarbeitung eines ausgeklügelten Patientensteuerungs- und Wegekonzeptes dar. Hierbei wurden die unterschiedlichen Patienten-, Besucher- und Mitarbeiterströme voneinander separiert und entsprechend ihrer unterschiedlichen Bedürfnisse durch das Gebäude geführt. So ist für den schwerverletzten Notfallpatienten die schnellstmögliche Aufnahme und medizinische Versorgung in dafür vorgesehenen speziellen Räumlichkeiten (z.B. Schockraum) vorrangig, optimalerweise abgeschirmt von den Blicken anderer Patienten und Besucher. Der ambulante Elektivpatient hingegen stellt eher Ansprüche an Servicekomponenten, Ausgestaltung von Wartebereichen etc. Des Weiteren gilt es, die Wege so kurz wie möglich zu gestalten. Dies steigert nicht nur den Komfort, sondern auch die Effizienz des Personaleinsatzes und reduziert Transportkosten (z.B. für begleitete Patiententransporte) und ggf. Wartezeiten auf Patienten in den Funktionsbereichen. Ein umfassendes Leitstellennetz organisiert die Steuerung der unterschiedlichen Ströme durch die einzelnen Funktionsbereiche. In diesem Rahmen kann sichergestellt werden, dass die Zuführung zur Untersuchung/ Behandlung entsprechend der gebotenen medizinischen Dringlichkeit erfolgt. Zudem erleichtert diese Ansprechfunktion die Orientierung und steigert somit das Sicherheitsgefühl von Patienten und Besuchern. Dazu trägt auch bei, dass die Verortung der Wartebereiche im Sichtfeld der Leitstellen eine durchgehende Observation der Patienten ermöglicht. 

Nähere Informationen zum Wegeführungskonzept finden Sie unter > „Patientenlenkung“ 

 

Die nachstehende Grafik skizziert beispielhaft die Steuerung der unterschiedlichen Patientenströme innerhalb des Funktionsgeschosses: 

 

 

In einzelnen Planungsschritten wurde die SimPlan AG als Simulationsdienstleister hinzugezogen, um die Planung durch eine dynamische Simulation mittels einer speziellen Simulationssoftware zu validieren. Dieses in der Industrie bereits vielfach verwandte Instrument visualisiert konform der angenommenen Parameter (z. B. Patientenanzahl, zeitliche Verteilung) die Belastung der Ressourcen und deckt Spitzenbelastungen auf.

In der Gesamtheit bildeten das Betriebsorganisationskonzept, die Affinitätenmatrix, die Kapazitätsberechnungen sowie das daraus entwickelte Raum- und Funktionsprogramm die grundlegenden Dokumente für die weitere bauliche Umsetzung. Diese Planungsgrundlagen sind so ausgestaltet, dass sie sich verändernden Rahmenbedingungen weitestgehend flexibel anpassen können.

 

(QUELLE: ANDREE CONSULT GmbH)

 

 

IHR ANSPRECHPARTNER


Stefan König

Geschäftsbereichsleiter Betriebsorganisation und Prozesse

ANDREE CONSULT GmbH

Wilhelmstraße 26

53721 Siegburg

Tel.: 0 22 41 . 127 397 30

s.koenig@andreeconsult.de

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